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Unfall auf der A57 bei Krefeld: Auffahrunfälle im Berufsverkehr richtig dokumentieren

Thorsten Gollenstede

25. September 2026
Krefeld

Wer auf der A57 zwischen Krefeld-Oppum und Krefeld-Gartenstadt pendelt, kennt das Bild aus dem Berufsverkehr: Bremslicht an Bremslicht, immer wieder Stop-and-go – und schon reicht ein Moment Unaufmerksamkeit für einen Auffahrunfall. Häufig sind dabei nicht nur zwei, sondern gleich mehrere Fahrzeuge in einen Kettenunfall verwickelt. Für die Betroffenen stellt sich dann sofort die Frage, wer welchen Schaden verursacht hat – und wie sich das im Nachhinein noch beweisen lässt.

Warum es auf der A57 bei Krefeld so oft zu Auffahrunfällen kommt

Der Streckenabschnitt der A57 rund um das Kreuz Meerbusch und die Anschlussstelle Krefeld-Oppum wird derzeit sechsstreifig ausgebaut. Das sorgt zusätzlich zum ohnehin dichten Pendlerverkehr für Spurwechsel, Verengungen und immer wieder abrupte Stop-and-go-Phasen bis in den Bereich Krefeld-Gartenstadt hinein. Wer im dichten Verkehr auf Sicht fährt, unterschätzt dabei häufig, wie schnell sich eine Kolonne zusammenzieht. Genau in solchen Situationen entstehen die typischen Serienauffahrunfälle mit drei, vier oder noch mehr beteiligten Fahrzeugen.

Kettenunfall: Wie die Schadenzuordnung bei mehreren Beteiligten funktioniert

Bei einem einfachen Auffahrunfall mit zwei Fahrzeugen ist die Haftungsfrage meist schnell geklärt. Bei einem Kettenunfall mit mehreren Beteiligten wird es komplizierter: Hat Fahrzeug drei nur auf Fahrzeug zwei aufgesetzt, oder wurde Fahrzeug zwei durch den Aufprall von Fahrzeug drei erst gegen Fahrzeug eins geschoben? Diese Unterscheidung entscheidet darüber, welcher Fahrer welchen Anteil des Schadens zu vertreten hat.

Anscheinsbeweis und seine Grenzen bei Serienauffahrunfällen

Grundsätzlich spricht bei einem Auffahrunfall zunächst der Anscheinsbeweis gegen den Auffahrenden – die Rechtsprechung geht regelmäßig davon aus, dass er entweder zu dicht aufgefahren ist oder nicht aufmerksam genug reagiert hat. Bei einem Kettenunfall kann dieser Anscheinsbeweis jedoch erschüttert werden, etwa wenn ein hinterer Fahrer selbst aufgeschoben wurde. Mehr zu den Voraussetzungen und Grenzen dieser Beweisregel lesen Sie im Beitrag Anscheinsbeweis beim Auffahrunfall.

Front- und Heckschäden gutachterlich trennen

An dieser Stelle setzt die gutachterliche Arbeit an: Anhand von Anstoßhöhe, Lackantragungen, Verformungsrichtung und der Beschädigungsmuster an Front und Heck lässt sich technisch nachvollziehen, welches Fahrzeug welchen Anstoß verursacht hat und in welcher Reihenfolge die Kollisionen erfolgten. Diese Zuordnung ist die Grundlage dafür, dass jeder Beteiligte seinen Schaden gegenüber der zutreffenden gegnerischen Versicherung geltend machen kann.

Was Sie direkt nach dem Auffahrunfall auf der A57 tun sollten

Auf einer stark befahrenen Autobahn wie der A57 ist die Unfallstelle selbst der wichtigste Beweis – und sie verschwindet, sobald geräumt wird. Wenn es die Verkehrssituation gefahrlos zulässt, sollten Sie die Endstellung der Fahrzeuge, die Schäden an allen Beteiligten sowie die Fahrbahn und eventuelle Spuren fotografieren, bevor die Fahrzeuge auf den Seitenstreifen oder von der Fahrbahn gebracht werden. Warndreieck aufstellen, Warnweste anziehen und auf den Verkehr achten hat dabei immer Vorrang vor der Dokumentation. Hinweise zum richtigen Verhalten am Fahrbahnrand einer Autobahn finden Sie auch im Beitrag Unfall auf der A46: Richtiges Verhalten am Standstreifen.

Mindestabstand als Unfallursache: Die Zahlen dahinter

Ein zu geringer Abstand ist bei Auffahrunfällen im dichten Verkehr die häufigste Ursache. Als Faustregel gilt der „halbe Tacho”: Der Abstand in Metern sollte mindestens der Hälfte der gefahrenen Geschwindigkeit entsprechen – bei Tempo 100 also rund 50 Meter. Wird dieser Wert deutlich unterschritten, etwa auf weniger als 5/10 des halben Tachowertes, drohen nach dem Bußgeldkatalog bereits 75 Euro und ein Punkt in Flensburg, bei noch geringerem Abstand steigen Bußgeld und Punkte weiter. Im zähfließenden Stop-and-go-Verkehr wird dieser Sicherheitsabstand erfahrungsgemäß besonders häufig unterschritten, weil Fahrerinnen und Fahrer dichter auffahren, als es die tatsächliche Bremsreaktion zulässt.

Warum ein unabhängiges Gutachten bei Kettenunfällen wichtig ist

Gerade bei mehreren Beteiligten und unterschiedlichen Versicherern lohnt sich ein unabhängiges Unfallgutachten: Es hält die Schäden aller Fahrzeuge technisch nachvollziehbar fest, ordnet sie dem jeweiligen Anstoß zu und bildet damit eine belastbare Grundlage für die Regulierung. Eine rechtliche Bewertung der Haftungsquote im Einzelfall ist dagegen Aufgabe eines Rechtsanwalts oder der Versicherung – als Kfz-Sachverständigenbüro erstellen wir die technische Grundlage dafür, ersetzen aber keine anwaltliche Beratung. Weitere Beiträge rund um Unfälle in Krefeld finden Sie auf unserer Standortseite Krefeld, etwa zum Thema Unfall mit ausländischem Kennzeichen in Krefeld.

Häufige Fragen

Was mache ich zuerst, wenn ich in einen Auffahrunfall auf der A57 verwickelt bin?

Sichern Sie zuerst die Unfallstelle ab: Warnblinker an, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen. Erst wenn die Verkehrssituation es gefahrlos zulässt, Fotos der Fahrzeugendstellung und Schäden machen. Danach Fahrzeuge von der Fahrbahn bringen und Kontaktdaten aller Beteiligten austauschen.

Wer haftet bei einem Kettenunfall mit mehreren Fahrzeugen?

Grundsätzlich spricht der Anscheinsbeweis gegen den jeweils Auffahrenden. Bei mehreren Beteiligten muss aber für jedes Fahrzeug einzeln geklärt werden, welcher Anstoß welchen Schaden verursacht hat. Ein Gutachten liefert dafür die technische Grundlage, die endgültige Haftungsquote klärt im Streitfall ein Anwalt oder Gericht.

Warum sind Fotos der Unfallendstellung so wichtig?

Die Position der Fahrzeuge nach dem Zusammenstoß zeigt oft, in welcher Reihenfolge die Kollisionen stattfanden. Sobald geräumt wird, geht dieser Beweis unwiederbringlich verloren. Deshalb sollten Fotos möglichst vor dem Wegfahren entstehen, wenn die Verkehrssicherheit das zulässt.

Was kostet ein unabhängiges Unfallgutachten nach einem Auffahrunfall?

Bei einem unverschuldeten Unfall trägt in der Regel die gegnerische Kfz-Haftpflichtversicherung die Kosten des Gutachtens, sofern kein Bagatellschaden vorliegt. Die genaue Höhe richtet sich nach Schadenumfang und Aufwand und wird vorab transparent kommuniziert.

Muss nach einem Auffahrunfall auf der A57 immer die Polizei gerufen werden?

Bei einem Kettenunfall mit mehreren Fahrzeugen, unklarer Schuldfrage oder Verletzten sollte die Polizei grundsätzlich verständigt werden, um den Unfallhergang amtlich zu dokumentieren. Das erleichtert später sowohl die Gutachtenerstellung als auch die Regulierung gegenüber den beteiligten Versicherungen erheblich.