LG Bremen: Online-Gutachten ohne Besichtigung sind wettbewerbswidrig – und was das für Versicherungen und Käufer bedeutet
Ein Urteil des Landgerichts Bremen (Az. 20 O 36/23) hat klargestellt, dass Online-Gutachten für Kfz-Schäden ohne persönliche Fahrzeugbesichtigung durch den Sachverständigen als irreführend und wettbewerbswidrig eingestuft werden. Das Gericht betont dabei eine zentrale Grundsatzfrage: Die physische Inaugenscheinnahme des Fahrzeugs ist unverzichtbar, um Schäden korrekt zu erkennen, zu bewerten und ihre Ursachen zu klären. Lichtbilder oder digitale Aufnahmen können diese Aufgabe nicht ersetzen, da sie fehlende Details wie Materialschäden, strukturelle Schäden oder die genaue Ausprägung von Beschädigungen nicht nachweisen können.
Die Entscheidung des Gerichts unterstreicht die Bedeutung einer professionellen Begutachtung – nicht nur für Versicherungen, sondern auch für Käufer:innen, die bei Kauf oder Verkauf eines Fahrzeugs eine fundierte Einschätzung benötigen. Ohne persönliche Präsenz des Sachverständigen drohen Fehlbewertungen, bei denen Schäden übersehen oder fälschlich als nicht relevant eingestuft werden. Das kann zu unangemessenen Schadensregulierungen führen, etwa wenn Versicherungen Schäden abschreiben, die in Wahrheit kritisch für die Sicherheit oder den Wert des Fahrzeugs sind.
Besonders problematisch ist die Situation, wenn Online-Gutachten von unqualifizierten Anbietern erstellt werden, die auf einfache Bildverarbeitung setzen. In solchen Fällen können Schäden wie Risse im Karosserieblech oder versteckte strukturelle Beschädigungen an der Achse oder dem Fahrwerk nicht erkannt werden. Das Risiko einer falschen Einstufung ist dabei nicht nur für Versicherungen, sondern auch für den Fahrzeugbesitzer hoch: Bei einem späteren Schadensfall könnte der Versicherer die Leistung verweigern, wenn die Gutachten nicht den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
Warum die Entscheidung des Gerichts für alle Beteiligten wichtig ist
Die Entscheidung des Landgerichts Bremen zeigt: Die Branche steht vor der Herausforderung, zwischen digitalen Lösungen und der unverzichtbaren persönlichen Begutachtung zu finden. Während Online-Tools für einfache Schäden wie Kratzer oder leichte Lackverletzungen sinnvoll sein können, bleibt die physische Untersuchung für komplexe Fälle essenziell. Für Versicherungen bedeutet das: Sie müssen auf seriöse Gutachter zurückgreifen, die sowohl digitale als auch persönliche Methoden kombinieren – etwa durch die Dokumentation von Fotos als Ergänzung zur Besichtigung.
Als unabhängiges Sachverständigenbüro setzen wir auf die persönliche Begutachtung – für maximale Sicherheit und Transparenz. Wir vermeiden solche Risiken durch eine sorgfältige Dokumentation und eine klare Abgrenzung zwischen digitalen und persönlichen Methoden, um stets den gesetzlichen Standards gerecht zu werden.





